Björn Korf u. Eduard Pröls

Offener Brief an den Botschaftsrat der Norwegischen Botschaft in Wien

Sehr geehrter Herr Botschaftsrat,

vielen Dank für das freundliche Gespräch gestern Abend vor der norwegischen Botschaft in Wien. Es war mir eine große Ehre, Sie gestern persönlich kennenzulernen.

Anbei finden Sie den Link zur erwähnten Petition an Frau Ministerin Linda Hofstad Helleland:

https://citizengo.org/en/node/161492

Frau Amy Jakobsen (Amerikanische Staatsbürgerin) wurde beschuldigt, ihren damals 19 Monate alten Sohn Tyler immer noch zu stillen, und ihr wurde mitgeteilt, dass der Junge bei gewogenen 9,6 kg Untergewicht habe und eigentlich 10 kg wiegen müsse. Dabei sind 9,6 Kilo gemäß anerkannter Gewichtstabellen ein völlig normales Gewicht für ein 19 Monate altes Kind. Doch die Mitarbeiter von Barnevernet waren überzeugt davon, es besser zu wissen und gaben Tyler in eine Pflegefamilie. Doch warum? Es gab dafür keinen Grund.

Anfangs wurde es Amy erlaubt, ihren Jungen wöchentlich zu sehen. Nach einiger Zeit wurden ihr dann nur noch Besuche im Abstand von 14 Tagen gewährt bis ihr im September 2014 schließlich das Besuchsrecht völlig verwehrt wurde. Als Begründung wird in den Gerichtsakten die Amerikanische Staatsbürgerschaft angeführt. Die Amerikanische Staatsbürgerschaft wird in den Akten als mögliche Entführungsgefahr dargestellt. Auch der Vater des Kindes (Kevin Mossmann, Norwegischer Staatsbürger!) darf das Kind aus dem gleichen Grund nicht sehen. Es sei nur angemerkt, dass die Eltern ihr Kind zuvor nur auf einer Polizeistation sehen durften. Selbst Tylers Name wurde zweimal in einen norwegischen Namen abgeändert, damit die Eltern den Aufenthaltsort nicht ausforschen können.

Warum werden liebevolle Eltern so schlecht behandelt? Hier liegt ein klarer Fall einer behördlichen Überreaktion vor. Die Elternrechte und die Privatsphäre der Familie wurden durch den norwegischen Staat schwer verletzt. Darüber hinaus liegt eine zweifache Verletzung von Artikel 9 der UN Kinderrechtskonvention vor: Kinder dürfen nicht gegen ihren Willen von ihren Eltern entfernt werden. Und sollten Kinder doch von einem oder beiden Elternteilen getrennt werden, haben sie ein Recht auf regelmäßigen Kontakt zu ihren Eltern. Dieses Recht hat man Tyler verweigert.

Wir bitten Sie, Frau Ministerin Hofstad Helleland auf diesen Fall aufmerksam zu machen, da Tyler nun zwangsadoptiert werden soll. Sie muss sich dringend für die Rückführung von Tyler zu seinen Eltern einsetzen. Der Fall liegt bereits beim Europäischen Gerichtshof in Straßburg vor. Sie werden mir sicher zustimmen, dass es nicht im Interesse Norwegens liegen kann, dass hier erst der Europäische Gerichtshof ein Urteil fällen muss, bevor die Familie zu ihrem Recht kommt.

Mit freundlichem Gruß,

Björn Korf
Bürgerinitiative „Step up 4 Children’s Rights“

 


 

Zur Erläuterung, wie es zu diesem Brief kam:

Gemeinsam mit CitizenGO hatten wir für Montag den 26.11.2018 zu einer Mahnwache an der Norwegischen Botschaft aufgerufen, um Amy Jakobsen zu unterstützen. Aufgrund des kalten und regnerischen Wetters standen wir allerdings nur zu dritt gegenüber der Botschaft. Wir dachten zunächst, dass unsere Aktion unbemerkt bleiben würde. Nach 20 Minuten jedoch gesellten sich zwei hochrangige Botschaftsangestellte zu uns und suchten das Gespräch. Einer von ihnen war der Botschaftsrat. Wir schilderten ihnen den Fall von Amy & Tyler und wiesen auf die Petition hin, die bereits von mehr als 47.000 Personen unterzeichnet wurde. Die beiden Herren fotografierten unsere Schilder und baten um Zusendung weiterer Informationen. Dieser Brief wurde einen Tag später per Mail an den Botschaftsrat verschickt.

 

[Fotos: Jo Hoffmann & E. Pröls / Privat]