Amy und ihr Sohn Tyler

Zwangsadoption – Tyler darf nicht nach Hause

Die Meldungen um Norwegens umstrittene Kinderschutzbehörde „Barnevernet“ scheinen in diesen Tagen kein Ende zu nehmen. Aktuell gibt es eine neue Entwicklung im Fall der in Norwegen lebenden Amerikanerin Amy Jakobsen, die seit fünf Jahren um das Sorgerecht um ihren Sohn Tyler kämpft.

Wie bereits berichtet, wurde der jungen Mutter im Juli 2013 das Kind als Folge einer behördlichen Überreaktion dauerhaft entzogen. Ihr wurde vorgeworfen, das Kind im Alter von 19 Monaten noch immer zu stillen. Weiter wurde ihr mitgeteilt, dass der Junge bei gewogenen 9,6 kg Untergewicht habe, und dass er eigentlich 10 kg wiegen müsse. Im September 2014 sah sie Tyler zum letzten Mal. Seither weiß sie nichts mehr über seinen Verbleib.

Für die besorgte Mutter sollte es aber noch schlimmer kommen. Norwegens „Barnevernet“ hat in einer neuen Gerichtsverhandlung am 3. und 4. September einen Prozess gegen Amy Jakobsen um die Zwangsadoption gewonnen. Damit kann Tyler nun offiziell zur Adoption freigegeben werden. Als Begründung führte „Barnevernet“ an, dass der Bub mittlerweile eine Bindung zu seinen Pflegeeltern aufgebaut habe, und dass es besser sei, wenn diese ihn adoptieren würden. Ein Wechsel zu seiner leiblichen Mutter wäre eine zu hohe psychische Belastung für ihn, da er sich vermutlich nicht mehr an Amy erinnern kann. Darüber hinaus wurde in der Gerichtsverhandlung erneut betont, dass Amys amerikanische Staatsbürgerschaft ein Entführungsrisiko darstelle. Außerdem führte „Barnevernet“ einen Artikel des christlichen Nachrichtenportals „THE CHRISTIAN POST“ an und kritisierte, dass Amy noch immer aktiv versuche, das Sorgerecht zurück zu erlangen.

Amy will das Urteil anfechten. Ihre Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen mit ihrem Sohn scheint jedoch dahinzuschwinden, da Tylers Pflegeeltern laut Aussage von „Barnevernet“ keinen Kontakt zu ihr wünschen. Erst im Mai diesen Jahres hatte „CitizenGo“ eine Petition im Internet gestartet, um auf den Fall der amerikanischen Mutter aufmerksam zu machen. Diese Petition erreichte mittlerweile mehr als 31.000 Unterschriften.

In einem anderen Fall von Kindesentzug in Norwegen, hatte der Europäische Gerichtshof in einem Urteil ebenfalls im September betont, dass Kindesentzug nur eine temporäre Maßnahme sein darf. Dazu meint der norwegische Rechtsexperte und Menschenrechtsaktivist Marius Reikeras: „In Norwegen wird einfach ignoriert, was der Europäische Gerichtshof sagt. Der einzige Weg, um Amy und Tyler jetzt noch zu helfen, wäre ein internationaler Aufschrei.“

 

[Fotos: Bjørnevåg / Privat]